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Herbert Freundenberger, geboren 1926 in Frankfurt und gestorben 1999 in New York, war ein Psychoanalytiker und klinischer Psychologe, der bereits im Jahr 1974 einen ersten Artikel zum Burn-Out-Syndrom veröffentlichte.

Mit seiner Kollegin Gail North hat er zwölf Stufen des Burnout-Syndroms identifiziert. Dabei ist anzumerken, dass die Reihenfolge nicht zwingend so ablaufen muss.

 

Stufe 1: Drang, sich selbst und anderen Personen etwas beweisen zu wollen

In dieser ersten Phase sind die Betroffenen noch voller Motivation und mit vollem Eifer bei der Arbeit. Sie stellen auch besonders hohe Erwartungen an sich selber und die Gefahr, eigene Grenzen zu überschreiten ist hier sehr hoch. Persönliche Bedürfnisse werden oftmals zurückgestellt.

 

Stufe 2: Extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen erfüllen zu können

In der zweiten Stufe fühlt der Betroffene sich unentbehrlich. Neue Aufgaben werden ebenso übernommen, wie freiwillige Mehrarbeit oder unbezahlte Überstunden.

 

Stufe 3: Überarbeitung mit Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte

In der dritten Stufe chronifiziert sich die Missachtung persönlicher Bedürfnisse. Freundschaften werden ebenso wenig gepflegt wie früher geliebte Hobbys. Hier kann sich auch der Konsum von Suchtmitteln, wie Nikotin oder Kaffee, aber auch von Aufputschmitteln erhöhen.

 

Stufe 4: Überspielen oder Übergehen innerer Probleme und Konflikte

Der zunehmende Druck führt nun vermehrt zu Fehlleistungen und Energiemangel. Sofern noch Kontakte zu Freunden gepflegt wurde, wird dies auch geringer. Die ersten Konflikte werden mit noch mehr Konsum von Kaffee oder ähnlichem aufgefangen.

 

Stufe 5: Zweifel am eigenen Wertesystem sowie an ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden

Zunehmend stumpft der Betroffene ab. Es fällt ihm schwer, sich auf die alltägliche Arbeit zu konzentrieren. Er meidet nun verstärkt das soziale Umfeld und Hobbys. Hier zeigen sich auch vermehrt partnerschaftliche Konflikte.

 

Stufe 6: Verleugnung entstehender Probleme, Absinken der Toleranzgrenze

In Stufe 6 beginnt der Betroffene sich mit Widerstand zur Arbeit zu quälen, die innere Kündigung kann eine Folge dessen sein. Fehlzeiten häufen sich, der Betroffene fühlt sich nicht anerkannt.

 

Stufe 7: Rückzug und dabei Meidung sozialer Kontakte bis auf ein Minimum

Innere Leere macht sich breit, der Betroffene fühlt sich orientierungslos und ist ohne Hoffnung. Er sucht Ersatzbefriedigung z.B. beim Essen, mit Alkohol oder beim Glückspiel. Auch der Körper reagiert mit ersten psychosomatischen Störungen, mit Gewichtsveränderungen oder Herz-Kreislauf-Reaktionen.

 

Stufe 8: Offensichtliche Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit

Auf der Arbeit wird nur noch Dienst nach Vorschrift geleistet. Der Betroffene fühlt sich Einsam und bemitleidet sich am liebsten Selbst. Er reagiert zunehmend ärgerlich auf Hilfe und Zuwendung.

 

Stufe 9: Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen Personen; das Leben verläuft zunehmend funktional und mechanistisch

Die innere Leere verstärkt sich nochmal, der Betroffene funktioniert, aber „lebt“ nicht mehr. Die psychosomatischen Reaktionen treten vermehrt in den Vordergrund.

 

Stufe 10: Innere Leere und verzweifelte Versuche, diese Gefühle durch Überreaktionen zu überspielen wie beispielsweise durch Sexualität, Essgewohnheiten, Alkohol und andere Drogen

Einsamkeit und negative Einstellung zum Leben nimmt zu. Auch Phobien und Panikattacken (vor allem vor Menschen) können auftreten. Exessive Befriedigungen, z.B. Fressattacken, Kaufräusche, Sex etc. nehmen zu.

 

Stufe 11: Depression mit Symptomen wie Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit

Negative Einstellung zum Leben manifestiert sich. Der Betroffene ist nur noch erschöpft, möchte am liebsten nur noch schlafen. Die Verzweiflung wird so stark, dass sich Selbstmordgedanken und ggf. schon Selbstmordabsichten häufen.

 

Stufe 12: Erste Gedanken an einen Suizid als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs.

Die geistige, körperliche und seelische Erschöpfung wird lebensbedrohlich. Der Körper reagiert zunehmend mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden und einem schwachen Immunsystem. Es besteht eine hohe Selbstmordgefahr.

 

Während die ersten drei Stufen jederzeit einmal auftreten können, ist bei den Stufen 4 bis 8 eine Beratung sinnvoll. Hierzu ist es wichtig, nicht nur die körperliche und seelische Gesundheit zu betrachten, sondern auch das aktuelle soziale Leben zu reflektieren und zu hinterfragen.

Ab der Stufe 9 sollte der Betroffene eine psychotherapeutische Hilfe und ab Stufe 11, aufgrund der hohen Lebensgefährdung, zusätzlich eine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen.

Damit es nicht so weit kommt, sind frühzeitige Interventionen notwendig. Nehme dir die  Zeit, in dich hineinzuhören, um erste Warnzeichen zu erkennen.